Huntingtower Castle

Details

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Bildquelle: Copyright by Schottlandfieber.de

huntingtowercastle-sErbaut: im 15. Jh.
Bauart: zwei einzelne Tower Houses, die später miteinander verbunden wurden
Besitzer: Fam. Ruthven, Earls of Gowrie; Murray of Tullibardine, Dukes of Atholl

Das Huntingtower Castle befindet sich westlich von Perth, wobei sich die Stadt immer weiter in seine Richtung ausdehnt. Sowohl die traumhafte Landschaft, als auch das Castle selber sind aus unserer Sicht einen Besuch wert und wenn man vorher durch das quirlige Perth gefahren ist, fühlt man sich direkt nach Ankunft irgendwie in die Vergangenheit zurückversetzt.

Das noch im Originalzustand erhaltene mittelalterliche Castle hat eine wirklich interessante Geschichte aufzuweisen. Zwei berühmte Familien, die Ruthvens und die Murrays, hatten es einst zu ihrem Heim gemacht und empfingen hier immer wieder königlichen Besuch.

Sie unterstützten Robert the Bruce und kämpften bei den schottischen Unabhängigkeitskriegen im Jahre 1496 an seiner Seite. Als Lohn für ihre Dienste erhielten sie den Titel Sheriff of Perth, mit dem sie nun in den Besitz von umfangreichen Ländereien kamen. Dies sollte sich auch bis ins 16. Jh. nicht ändern, doch erst im 15. Jh. wurde das hier stehende alte Wachhaus zu einem Tower House, bekannt als The House of Ruthven, umgebaut. Nur wenig später wurde westlich - im Abstand von nur 3 m - ein zweiter Tower errichtet. Der Grund für diese ungewöhnliche Bauweise hängt vielleicht mit der Aufteilung des Landes zwischen zwei Söhnen zusammen, denn auf diese Weise wären beide zu ihrem „eigenen" Tower gekommen.

Die Ruthvens waren eine sehr reiche und mächtige Familie und obwohl sie Mary, Queen of Scots und ihren zweiten Ehemann, Lord Darnley, zu deren Flitterwochen zu sich einluden, spielten sie einige Jahre später eine wichtige Rolle dabei, Mary im nahegelegenen Lochleven Castle gefangen zu halten und zur Abdankung zu zwingen. Daran sieht man ein Mal mehr, dass das Streben nach Macht selbst vor dem Verrat an Freunden nicht haltmacht!

Mary's kleiner Sohn, Jacob VI, wurde vom schottischen Reformationsadel zum Protestanten erzogen. Als er jedoch mit 15 Jahren zu sehr unter den Einfluss zweier katholischer Günstlinge kam, reagierten die Ruthvens zusammen mit anderen Adelsfamilien und entführten den König kurzerhand. Diese Tat, bekannt als Ruthven Raid, führte dazu, dass Jacob VI für zehn Monate hier festgehalten wurde, während seine Entführer die Hauptmacht im Land innehatten. Jacob konnte zwar später fliehen und hätte sich eigentlich rächen können - er tat es nicht, vergaß den Vorfall aber nie.
Noch ein Jahr vor dem Ruthven Raid (1581) war Lord Ruthven zum Earl of Gowrie ernannt worden. Auch dieser Name steht für ein geschichtsträchtiges Komplott, die Gowrie Conspiracy, denn im Jahre 1600 waren der 3. Earl und sein Bruder in einen Mordanschlag auf den König verwickelt. Nun riss Jacob VI endgültig der Geduldsfaden. Er ließ die Familie ermorden, dann die toten Körper vor Gericht stellen, aufhängen, strecken und vierteilen. Außerdem entzog er den Ruthvens für alle Zeiten ihren Namen, ihre Titel und Ämter, beschlagnahmte all ihren Besitz und änderte mit Hilfe eines Parlamentsbeschlusses den Namen der Burg, die nun der Krone gehörte, in Huntingtower Castle. Vielleicht kam er durch seine Liebe zur Jagd auf diesen Namen.

Zum Dank für seine Rettung gab der König das Castle in die Obhut der Murrays of Tullibardine, bis es schließlich 1663 ganz in ihren Besitz überging und Lord John Murray zum 1. Duke of Atholl wurde. Nachdem seine Frau 1767 nur drei Jahre nach ihm starb, wurde das Castle als Familiensitz aufgegeben und die Nebengebäude, vor allem der Westflügel, verfielen langsam. Heute ist von diesen Gebäuden leider nichts mehr zu sehen. 1912 ging Huntingtower Castle in die Obhut des Staates über.

Trotz des Verfalls der Nebengebäude sind viele architektonische Besonderheiten vom Huntingtower Castle noch erhalten geblieben. Wie bereits erwähnt, besteht das Castle aus zwei miteinander verbundenen Tower Houses, also Türmen, die den beiden Söhnen von William Ruthven gehörten. Beide Tower haben noch heute eigene Eingänge, die man früher über den Innenhof erreichte. Erst im 17. Jh. verbanden die Murrays diese zu einem Gesamtkomplex und es entstand ein komfortables Wohnhaus. Noch heute kann man jedoch sowohl von außen als auch von innen gut erkennen, wo die Verbindungstellen sind.

Der recht verfallene westliche Tower hatte drei Stockwerke sowie ein Dachgeschoss und war ursprünglich der größere der beiden Tower. Heute kann man den geräumigen Saal und einige weitere Räume besichtigen. In einem davon sieht man in einer Fensternische die Malereien der Wappen von Erskine und Ruthven, die wahrscheinlich aus dem frühen 16. Jh. stammen. Besonders interessant ist das Dachgeschoss, in dem sich ein Taubenschlag befindet, der die Familie mit frischem Geflügel versorgte.

Der Ostturm ist der ältere Teil des Castle und basiert auf dem Wachhaus, das um 1500 zum Tower House umgebaut wurde. Im ersten Stockwerk ist die große Halle mit der bemalten Holzdecke aus dem Jahre 1540. Die Reste von früheren Wandmalereien (z.B. die im Fensterbogen), die die Vertreibung aus dem Garten Eden darstellen, sind die frühesten und schönsten Beispiele schottischer Temperamalereien.

Im zweiten Stock des östlichen Tower befindet sich ein Schlafzimmer mit einem Kamin, der aus dem Jahre 1500 ist. Ferner kann man hier einige Einbau- und Wandschränke besichtigen, darunter auch einen mit einem falschen Boden, unter dem ein geheimer, feuerfester Raum liegt.

Was es mit diesem feuerfesten Raum auf sich hat, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, aber es gibt eine andere berühmte und romantische Geschichte zu Huntingtower Castle, die als The Maiden's Leap (Sprung der Jungfrau) bekannt wurde.

Der Legende nach lebte Dorothea, die Tochter des 1. Earls of Gowrie, im Westturm. Als ihr Geliebter mal zu Besuch war, wurde dieser im Ostturm untergebracht und die Verbindungstüren von der Mutter verschlossen. Die Mutter war mit dem jungen Mann absolut nicht einverstanden, da er von geringerem Stand und Vermögen war.

Eines Nachts waren die Verbindungstüren wohl vergessen worden und Dorothea schlich sich zu ihrem Geliebten. Als der Mutter dies auffiel, machte sie sich auf den Weg zum Schlafgemach des jungen Mannes, in der Hoffnung die beiden zu überraschen und ihnen den einzigen Fluchtweg nach unten abschneiden zu können.
Doch Dorothea hörte die wohlbekannten Schritte ihrer Mutter, rannte den Turm hinauf bis zur Spitze und wagte einen verzweifelten Sprung über den 15 m tiefen Abgrund zu den Zinnen des anderen Turmes hinüber. Von dort ging sie in ihr eigenes Schlafzimmer.

Die Mutter, die sie nicht im Zimmer ihres Geliebten erwischte, fand sie fest schlafend in ihrem eigenen Bett und war gezwungen, sich für ihre falschen Verdächtigungen bei den beiden zu entschuldigen. In der folgenden Nacht floh das Liebespaar und heiratete.

Adresse

Koordinaten

Öffnungszeiten

Diashow

Detail

Castle Brae
Huntingtower
PH1 3JR

+44 1738 627231

N 56°24'34.03"
56.409452

W 3°29'17.22"
-3.488116

April-Sept.
tägl. 9.30-17.30 Uhr

Okt.-März
Sa.-Mi. 9.30-16.30 Uhr

18-1-Pfund
01-Parkplatz 04-Toiletten 05-Behindertentoilette 07-Beschreibungstafeln 08-Mittagspause
09-Shop 13-Rollstuhl-geeignet 17-Haltestelle-Nahverkehr

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Auch im Huntingtower Castle treibt ein Geist sein Unwesen, die Green Lady. Der Geist von Lady Greensleeves wird immer dann gesichtet, wenn sie jemanden vor etwas Schlimmem warnen will oder sie helfen kann, dies zu verhindern.

Erstmalig wurde die Green Lady von zwei Besuchern in den 70er Jahren in einer kleinen Kammer im zweiten Stock gesichtet. Sie berichteten von gespenstischen Schritten und dem Rascheln ihres Kleides, das von einem gruseligen Gekicher begleitet wurde. Beweise hierfür gibt es jedoch nicht.

Einmal erschien der Geist der Lady einem Reisenden, der hier vorbei kam und am nächsten Tag im River Tay ertrank. Wahrscheinlich hatte er ihre Warnung nicht ernst genommen. Später wurde sie von einem jungen Mädchen gesehen, der sie mitteilte, dass ihr Freund auf dem Weg zu ihr ertrunken sei.

Andere Erzählungen über die Green Lady besagen, dass sie manchmal die Häuser in der Nähe des Castle aufsucht, um dort Kranke zu heilen. Ebenso vertrieb sie einmal einen Dieb, der einen alten Mann ausrauben wollte.

   
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